Herxheim: Vor zwei Wochen zog Fabian Kuntz als Pfalz-Supporter von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer in den Saar-Wahlkampf. Was er nicht wusste: Er durfte bei AKK daheim übernachten – und wurde verwöhnt.

Von Elke Partovi


Fabian Kuntz aus Herxheim hat es getan: Freiwillig ist er vor zwei Wochen von der Pfalz ins Saarland gefahren und hat dort drei Tage lang als Mitglied der Jungen Union den CDU-Landtagswahlkampf von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, kurz AKK, unterstützt. „Pfälzer und Saarländer haben viel gemeinsam“, findet der 25-Jährige – und Frotzeleien über den Nachbarstamm seien eh nur gespielt. Damit nicht genug: Der Wahlhelfer hat sich sogar direkt ins Zentrum der Macht gewagt, bei AKK zu Hause im Kinderzimmer auf einer Matratze genächtigt und mit der Landeschefin gefrühstückt. Alles ganz entspannt.Und das kam so: Der Herxheimer war einem Aufruf der rheinland-pfälzischen CDU-Geschäftsstelle gefolgt, die aus den Reihen der Jungen Union Unterstützer der Wahlkampagne im Saarland suchte. Deshalb kreuzte Kuntz am Donnerstag vor der Wahl pünktlich um zehn Uhr im CDU-Wahlkampfzentrum in Saarbrücken auf. „Dann ging es sofort richtig los“, erzählt er. „Die brauchten dringend Leute, um vier geleaste Fahrzeuge nach St. Wendel zu fahren und haben mir gleich den Autoschlüssel in die Hand gedrückt. Ein supermoderner BMW mit allen Schikanen war das“, sagt Kuntz, „das hat Spaß gemacht, so was habe ich vorher noch nie gefahren.“ Das ist verständlich, denn für dicke Autos braucht man dicke Geldbündel. Und die hat der 25-Jährige nicht, der an der Universität Mannheim seinen Bachelor in Ingenieurwesen gemacht hat, im Spätjahr sein Masterstudium beginnen will und erst Mitte März von einem anderthalbjährigen Afrikaaufenthalt zurückgekehrt ist.

In St. Wendel, wo gegen 16 Uhr an diesem Donnerstag Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wurde, half der 25-Jährige am Wahlstand mit. „Schon morgens gab es eine riesige Polizeipräsenz und große Sicherheitsvorkehrungen, an den Straßenecken waren Lkw quer geparkt“, sagt Kuntz. Dass er später sogar der Kanzlerin die Hand schütteln konnte, freut ihn ganz besonders. Abends ging es zurück nach Saarbrücken in die Wahlkampfzentrale. „Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, wo ich eigentlich schlafen soll“, erinnert er sich, denn es habe nur geheißen, für die Unterkunft werde gesorgt. Groß war seine Verblüffung, als der Landesvorsitzende der Jungen Union, Alexander Zeyer, zu ihm und zwei weiteren Wahlhelfern sagte: „Ihr übernachtet bei der Ministerpräsidentin in Püttlingen, ich fahre euch jetzt hin.“

Kuntz: „Da war ich natürlich erst mal baff und natürlich auch aufgeregt. Es war schon kurz vor Mitternacht, als wir in Püttlingen ankamen und ich dachte noch, dass die Ministerpräsidentin bestimmt schon schläft.“ Von wegen – nicht AKK. „Dann hielten wir in einer ganz normalen Wohngegend vor einem relativ kleinen Einfamilienhaus mit einer Solaranlage auf dem Dach“, berichtet Kuntz, „und die Ministerpräsidentin hat selbst die Tür aufgemacht, jedem die Hand gegeben und gesagt: Hallo, ich bin die Annegret, kommt rein. Hier ist der Kühlschrank, wenn ihr noch Hunger habt.“ Und plötzlich, findet Kuntz, habe sich alles völlig normal angefühlt, „wie Couchsurfing auf meinen Reisen“.

Im Haus der Landeschefin waren zwei Gästequartiere hergerichtet: „Ich habe in einem ehemaligen Kinderzimmer geschlafen, das jetzt als Fitnessraum genutzt wird“, sagt der Herxheimer. Drei erwachsene Kinder hat die bodenständige Juristin und Politologin, ein Sohn wohnt noch im Elternhaus. „Am nächsten Morgen haben wir dann auch den Helmut kennengelernt, der ist richtig nett“, ergänzt Kuntz.

„Der Helmut“, bodenständiger Ehemann der Ministerpräsidentin, arbeitete früher als Bergbauingenieur und hält ihr mittlerweile als Hausmann den Rücken frei. „Helmut hat ein riesiges Frühstück aufgetischt“, lobt Kuntz. Mit duftendem Kaffee, frischen Brötchen und – natürlich – saarländischer Lyoner. AKK sei dann dazugekommen, „wir haben ganz normal Small Talk gemacht“. Und was hat die Saarländerin zum Frühstück gegessen? Die Antwort liegt auf der Hand: „Zuerst ein Brötchen mit Lyoner.“

Nachdem zwei Sicherheitsbeamte die Landeschefin abgeholt hatten, um sie zu ihren Terminen zu fahren, schwirrten auch die drei jungen Wahlhelfer aus, um in diversen Fußgängerzonen Flyer zu verteilen, Würstchen zu braten, beim „Kneipen-Canvassing“ auf Stimmenfang zu gehen – wie auch am darauffolgenden Tag.

Am Wahlsonntag habe die Ministerpräsidentin noch mal zusammen mit ihren Gästen gefrühstückt, ehe sie zur Stimmangabe fuhr. „Sie hat gesagt, das Schlimmste an dem Tag sei, dass man gar nichts machen könne, außer abzuwarten“, erzählt Kuntz. Der Rest ist Politikgeschichte: Bei der saarländischen Landtagswahl landeten die Christdemokraten mit 40,7 Prozent weit vor der SPD, die auf 29,6 Prozent kam.

„Bei der Wahlfeier abends in Saarbrücken gab es einen riesigen Medienauflauf, ich habe total gestaunt, ich kannte das bisher nur aus dem Fernsehen“, erzählt der Student. Eine „extrem spannende Erfahrung“ seien die drei Tage im Saarland für ihn gewesen, ist das Resümee des Herxheimers.

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