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„Ich bin überwältigt. Das ist der Wahnsinn.“ Christian Burkhart hat das geschafft, was kaum einer geglaubt hat: einen Durchmarsch im ersten Wahlgang. Mit 50,9 Prozent der Stimmen holt er den Sieg in der Verbandsgemeinde Annweiler und wird diese ab dem Jahreswechsel führen. Der Christdemokrat, den die bürgerliche Koalition ins Rennen geschickt hat, nachdem Amtsinhaber Kurt Wagenführer (FWG) aus gesundheitlichen Gründen seine Kandidatur zurückgezogen hatte, ist gerade einmal 34 Jahre alt. Aber das sah er immer als Vorteil. Frischer Wind, neue Perspektiven, führte Burkhart an, der seit 2014 Ortsbürgermeister von Waldhambach ist. Und offensichtlich konnte der bodenständige und zielstrebige Jungspund auch die Wähler von seinen Qualitäten überzeugen.Als um 18.25 Uhr das erste Zwischenergebnis eintrudelt – Münchweiler, 65,5 Prozent für Burkhart – herrscht noch verhaltene Stille im Wahlbüro im VG-Rathaus. Fünf Minuten später betritt Burkhart mit seiner Frau den Raum. Der zweite und dritte Stimmbezirk entscheiden sich zu seinen Gunsten. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Aber er ist noch vorsichtig: „Abgerechnet wird zum Schluss.“ 19.10 Uhr ist es so weit. Und Burkhart ist überglücklich – nicht überschwänglich, das ist nicht seine Art. Noch mal ein Abstecher nach Offenbach, um seinem Parteifreund und künftigen Landrat Dietmar Seefeldt zu gratulieren, dann geht’s zurück nach Waldhambach, um bei der Feuerwehr zu feiern.

Fertig mit der Welt ist dagegen Thomas Wollenweber. Kurz nach 19 Uhr steht für den Sozialdemokraten nicht nur fest, dass er mit 22,1 Prozent der Stimmen Schlusslicht geworden ist. Ihn erreicht auch die Nachricht, dass nach Alsterschwänin Anni nun auch ihr Partner Willi tot aufgefunden wurde. Glücklicherweise stellt sich das später als Falschmeldung heraus. Aber in dem Moment kann er nur angespannt und frustriert sagen: „Mir reicht’s für heute.“ Natürlich sei er enttäuscht, aber er bereue seine Entscheidung nicht, ein zweites Mal angetreten zu sein. Wer etwas mit Leidenschaft mache, müsse auch dafür einstehen. Bereits bei der Bürgermeisterwahl 2009 hatte sich der Lokalmatador nicht gegen den Edenkobener Kurt Wagenführer durchsetzen können. Der ist gestern selbst ein bisschen aufgeregt. „Ich fühle mich acht Jahre zurückversetzt.“ Immer wieder tuschelt er mit Burkhart, als Zahl für Zahl die Wahlergebnisse einlaufen. Und die Mundwinkel gehen immer mehr nach oben. Sein damaliger Konkurrent Wollenweber kommt als letzter der drei Kandidaten ins VG-Rathaus. Nicht mal die Trifelsstadt konnte er für sich entscheiden. „Wenn ich das Ergebnis sehe, muss ich mich fragen, ob ich die letzten 13 Jahre geschlafen habe“, kommentiert der 53-Jährige ernüchtert.

Auch Harald Jentzer ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Zwar hat der parteilose Kandidat mit 27 Prozent mehr Stimmen als Wollenweber eingefahren. „Aber das bringt mir auch nichts. Ich bin angetreten, um zu gewinnen.“ Er habe die Stimmungslage anders eingeschätzt, mit einer Stichwahl gerechnet. Am Abend will er es sich mit seiner Familie gemütlich machen, um das Wahlergebnis zu verdauen. Immerhin hat der Ortsbürgermeister von Dernbach in seiner Heimatgemeinde die meisten Stimmen abgeräumt.

Quelle: http://epaper.rheinpfalz.de/EPaper/PHP-Files/archivedpages.php?#

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