Herr Gebhart, was ist die wichtigste Erkenntnis der Klimakonferenz von Bonn?Es geht nicht mehr um die Frage: Klimaschutz: ja oder nein? Es geht jetzt nur noch darum, wie Klimaschutz umgesetzt wird. Die spannendste Erkenntnis war, dass US-Präsident Donald Trump, der den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt hat, international keine Nachahmer gefunden hat, und dass innerhalb der USA die Kritik an Trumps Kurs immer lauter wird. Ich habe eine Rede des Gouverneurs von Kalifornien, Jerry Brown, gehört, der sich sehr für den Klimaschutz einsetzt. Das stimmt mich sehr hoffnungsvoll.


Fast alle Nachbarstaaten Deutschlands – außer Polen und Tschechien – haben ein Zieldatum für den Kohleausstieg festgelegt. Deutschland nennt keines. Das ist nicht gut fürs Weltklima.Man muss sehen: Der französische Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, dass Frankreich aus der Kohle aussteigen wird. Aber der Anteil der Kohle am französischen Strommix beträgt nur 3 Prozent, weil Frankreich weiter auf die Kernenergie setzt, die einen Anteil von 75 Prozent ausmacht. Da ist es für Macron natürlich sehr viel leichter, aus der Kohle auszusteigen, als für Deutschland, wo die Kohle 40 Prozent am Strommix ausmacht.


Deutschland steigt stattdessen aus der Kernenergie aus.Das stimmt. Unser Ziel muss es sein, auf mittlere und lange Sicht auch aus der Kohle auszusteigen. Der Zeitpunkt wird allerdings davon abhängen, wie schnell verlässliche, saubere und bezahlbare Alternativen zur Verfügung stehen, wie sich zum Beispiel Speichertechnologien entwickeln. Das ist ein wesentlicher Schlüssel. Diese Entwicklung ist noch nicht vollständig abzusehen und das macht es so schwer, ein Ausstiegsdatum zu nennen.

War der Atomausstieg, den die schwarz-gelbe Bundesregierung 2011 unter Kanzlerin Merkel nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima beschlossen hat, ein Fehler?Nein. Der Ausstieg aus der Kernenergie hatte Gründe. Die Akzeptanz der Kernenergie in der Bevölkerung war am Boden. Richtig ist: Würden wir nicht aus der Kernenergie aussteigen, könnten wir den Anteil der Kohle an unserem Strommix schneller reduzieren. Aber keine Bundesregierung wird mehr am Atomausstieg drehen.

Es wäre nicht das erste Mal. Schon einmal hat eine Bundesregierung den im Jahr 2000 von Rot-grün vereinbarten Atomausstieg rückgängig gemacht oder sagen wir: massiv aufgeweicht: Schwarz-gelb unter Kanzlerin Merkel kurz vor Fukushima.Das stimmt. Aber es wird keine Bundesregierung mehr geben, die dieses Rad noch einmal zurückdreht. Ich bin überzeugt, dass die Entscheidung zum Atomausstieg richtig war.

Wie geht es jetzt mit dem internationalen Klimaschutz weiter?Das Pariser Abkommen tritt 2020 in Kraft. Jetzt müssen die Länder ihre Hausaufgaben machen. Der zentrale Punkt schlechthin wird sein, wie wir den Umweltschutz und eine gute wirtschaftliche Entwicklung zusammenbringen. Das geht nur über die Entwicklung neuer Technologien, durch Forschung und Innovation.

 

Quelle: http://epaper.rheinpfalz.de