Schon während seiner Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst war Karl Schäfer klar: „Ich will Bürgermeister werden.“ Mit 30 Jahren hatte er sein Ziel erreicht. 34 Jahre lang war er Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maikammer, seit 1994 auch Bürgermeister der Ortsgemeinde. Letzteres wird er weiter sein, sein neues Büro in der Verbandsgemeindeverwaltung hat er bereits bezogen. Etwa drei Tage pro Woche will er dort verbringen. „Ich würde mich heute wieder so entscheiden wie vor 34 Jahren“, blickt Schäfer zurück.Damals hatte sich der gebürtige Westpfälzer für die Stelle des Verbandsbürgermeisters beworben. Er hatte an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl studiert und studienbegleitend in Verwaltungen gearbeitet, unter anderem in Zell unter Aichelberg. Der dortige Bürgermeister habe ihn überallhin mitgenommen und „es hat mich fasziniert, was man als Bürgermeister alles gestalten und bewegen kann“,, sagt Schäfer. Nach dem Studium hat er sechs Jahre in Verwaltungen in Baden-Württemberg gearbeitet. Für Maikammer habe er sich entschieden, weil er wieder näher in Richtung Heimat wollte.

20 Bewerber habe es gegeben, erinnert sich Schäfer. Damals wurde der Bürgermeister vom Rat gewählt. Er habe als einziger Wahlkampf gemacht, indem er Gespräche mit allen Parteien führte. Gewählt wurde er von CDU und SPD.

Schäfer ist seit seiner Jugend Mitglied der CDU, die sei auch immer seine politische Heimat gewesen. „Für mich hat aber nie die Parteipolitik, sondern immer die Sachpolitik und das Wohl der Bürger im Vordergrund gestanden.“ Vor Entscheidungen habe er immer mit den Vorsitzenden aller Fraktionen Gespräche geführt. „95 Prozent aller Beschlüsse wurden einstimmig gefasst“, betont Schäfer nicht ohne Stolz. Um dieses gute Miteinander nicht zu beeinträchtigen, habe er bewusst bis vor einem Jahr kein Parteiamt übernommen.

Wobei Schäfer nicht verschweigt, dass er innerhalb seiner Partei nicht nur Freunde hat. Nicht in der Verbandsgemeinde, aber im Kreis gab es „innerparteiliche Grabenkämpfe, das gibt es in jeder Partei, aber es ist etwas, was mir nicht gefällt.“

„Wenn man in so eine Gemeinde kommt, muss man sich erst einmal mit den Gegebenheiten vertraut machen“, blickt Schäfer auf seine Anfangszeit zurück. Schnell stellte er fest, dass Wasser, Abwasser und Hochwasserschutz die ersten Aufgaben waren, wo es zu gestalten und bewegen galt. „Gestalten und bewegen“, das ist es, was Schäfer liebt und was seinem Charakter entspricht. Das konnte er in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Bereichen.

Fragt man Schäfer nach Fehlern oder Niederlagen, fällt ihm nichts ein. „Die Zwangsfusion mit der Verbandsgemeinde Edenkoben war eine Niederlage, aber wir haben den Kampf nicht aufgegeben und gewonnen“, so Schäfer. Auch deshalb, weil alle an einem Strang gezogen hätten. Es sei ihm immer ein Anliegen gewesen, dass auch die drei Ortsgemeinden ein gutes Miteinander pflegen. Für Kirrweiler und St. Martin sei es nie ein Nachteil gewesen, dass Schäfer seit 1994 auch Ortsbürgermeister von Maikammer ist. Auch wegen dieses guten Miteinanders hält es Schäfer für einen Fehler, dass Kirrweiler und St. Martin seit einiger Zeit im Tourismus eigene Wege gehen. „Aber ich akzeptiere das.“ Denn im Gegensatz zu dem, was ihm teils nachgesagt wird, sei er durchaus bereit, andere Meinungen zu akzeptieren, vertrage auch Kritik. „Ich bin nicht nachtragend.“

Als er nach Maikammer gekommen ist, „sind mir die Bürger sehr offen gegenüber getreten“, erinnert sich Schäfer. Und er habe immer ein gutes Verhältnis zu den Bürgern gehabt. Dies sei sicher auch deshalb so gewesen, weil es ihm wichtig gewesen sei, sich einzubringen. Er und seine Ehefrau, sein Sohn und seine Tochter hätten sich hier immer wohl gefühlt. Das sei auch einer der Gründe gewesen, warum er vier andere berufliche Angebote abgelehnt habe.

„Das macht man nicht“, antwortet Schäfer auf die Frage, ob er seiner Nachfolgerin Gabriele Flach in ihre Arbeit hineinreden wird. Er stehe aber durchaus bereit, wenn sein Rat gefragt sei. Und eine Empfehlung hat er dann doch: „Immer alle Fraktionen bei Entscheidungen mitzunehmen, in der Verbandsgemeinde Maikammer kennt man das nicht anders.“

„Nein“, sagt der 64-Jährige auf die Frage, ob es ihm schwer falle loszulassen. Er werde jetzt mehr Freiraum haben. Sich mit den Enkeln beschäftigen. Zwei, im Alter von 14 und acht Jahren, leben in Maikammer. Der 14 Monate alte Jan lebt auf Malta, dort ist die Tochter von Schäfer verheiratet. Er wolle seiner Frau mehr Zeit widmen, reisen, joggen, Mountainbike fahren und sich mit Freunden treffen.

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