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Schaulaufen mit Steckenpferden

südliche weinstrasse: 80 interessierte Mitglieder am Montagabend im Haus des Gastes in Bad Bergzabern, tags darauf genauso viele im Kurpfalzsaal Edenkoben: Die vom CDU-Kreisvorstand angebotenen Mitgliederforen mit dem Landratskandidaten Dietmar Seefeldt fanden nicht die gewünschte große Resonanz.

Von Michael Reuter


Überzeugend, souverän, kompetent, sicher, schlüssige Argumentation, authentisch, sympathisch, offenherzig, akzentuiert, aber ohne große Leidenschaft: Diesen Eindruck gewinnen sicherlich auch die christdemokratischen Urgesteine Heiner Geißler und Dieter Ziegler, die zu dem Forum nach Edenkoben gekommen sind. „Er ist vertrauenswürdig, er ist kein Schaumschläger, er sagt, was er denkt, und er hat Respekt vor Andersdenkenden und kann Kompromisse eingehen“, so lautet beispielsweise die Einschätzung des früheren CDU-Generalsekretärs über den Bewerber um die Nachfolge der seit 1997 amtierenden und aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufhörenden Landrätin Theresia Riedmaier (SPD).Vor den Augen seines vor lauter Stolz strahlenden Vaters und langjährigen Offenbacher Bürgermeisters Manfred Seefeldt nutzt der „Sohnemann“ zunächst die Gelegenheit, seinen Werdegang zu schildern: Seit seinem zweiten Lebensjahr in der Queichgemeinde verortet. Nach dem Abi Grundwehrdienst, danach Jurastudium mit der Spezialisierung auf Verwaltungs- und Umweltrecht. Zwölf Jahre bei Landesforsten Justiziar. Dann bei der Kreisverwaltung Germersheim Vorsitzender des Kreisrechtsausschusses, verantwortlich für den Bereich Bauen. Inzwischen Hauptamtlicher Kreisbeigeordneter, zuständig für die Bereiche Jugend, Soziales und Schulen, die rund 75 Prozent des Kreisetats ausmachen. „In einer tollen Zusammenarbeit mit Landrat Fritz Brechtel.“ Dass ihm die dortigen Koalitionspartner FWG und Grüne gut mit ihm können, sieht Dietmar Seefeldt als Indiz dafür, dass er mit anderen Parteien keine Berührungsängste kennt. Im gleichen Atemzug macht er aber deutlich, dass er als Landrat die eingefleischte Verbindung aus CDU, FWG und FDP liebend gerne fortsetzen will. Seefeldt, dreifacher Vater, gesteht auch frank und frei öffentlich ein, dass es privat nicht so reibungslos für ihn gelaufen ist und er inzwischen mit einer anderen Frau in einer Patchwork-Beziehung lebt.

Nach der Devise „Karten auf den Tisch“ verfährt er auch, als er, seit 2004 im Kreistag, einräumt, dass viele, was die CDU-Fraktion leiste, etwas im Verborgenen blieb. Das sagt einer, der seit zehn Jahren Fraktionsvorsitzender ist. Als Entschuldigung führt er Zeitprobleme der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker an.

Es kann nicht verwundern, dass Dietmar Seefeldt, mit 24 Jahren in den Gemeinderat Offenbach gekommen, bei seinem Schaulaufen für die Nominierung am 6. März in Herxheim seine Steckenpferde reitet. Unzureichende Finanzausstattung der Städte und Gemeinden durch das Land. Breitbandausbau mit der Alternative RMT, wenn der Kreis bei der zweiten Bewilligungsrunde des Bundes nicht zum Zuge kommt. Mobile Retter, um vor Ort schnell lebenserhaltende Maßnahmen einleiten zu können. Sprachförderung in Kitas und Schulen, nicht nur im Zuge der Integration von Flüchtlingen. Digitales Informationssystem für Ratsmitglieder. Bessere, einheitliche Beschilderung der Kreisgrenzen. Zweite Rheinbrücke, Technologieregion, Wertstoffwirtschaft. Für Seefeldt auch wichtige Themen der Zukunft: Verbesserung der Infrastruktur, Ärzteversorgung auf dem Land, Leben im Alter, Klimaschutz bei öffentlichen Gebäuden, Organisationsüberprüfung bei der Kreisverwaltung, aber nicht auf dem Rücken des Personals.

Während sein SPD-Widersacher Torsten Blank bei seiner Präsentation nicht vorkommt, widmet er sich einmal der SPD-Landrätin Riedmaier. „Eine gute und charmante Repräsentantin des Kreises, deren Verdienste ich nicht in Abrede stellen will. Aber wo viel Licht ist, da ist auch Schatten“, sagt der CDU-Bewerber. Als stellvertretende SPD-Landesvorsitzende habe sie es versäumt, ihren Einfluss zur besseren Finanzausstattung und vor allem gegen die Zwangsfusion der Verbandsgemeinden Edenkoben und Maikammer zu nutzen. Lange nichts gehört habe man von ihr auch, als es um die Kostenregelung ging.

Quelle

AusgabeDie Rheinpfalz - Pfälzer Tageblatt - Nr. 46

DatumDonnerstag, den 23. Februar 2017

Seite 17

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