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In der zurückliegenden Zeit habe sie in vielen Gesprächen gehört, dass der Zusammenhalt zwischen den Ortsgemeinden bröckele. „Wir sollten aber eine Gemeinschaft sein, das ist wichtig. Sonst können wir uns den großen Aufgaben nicht stellen“, erklärt Busch. Sie gebraucht eine Metapher: Ein Bürgermeister sei wie ein Lokführer, der seine Gäste, die Bürger, mitnehmen müsse auf die Reise. Sie wolle deshalb, sollte sie Rathauschefin werden, die Bürger immer fragen, wo sie hinmöchten, bevor sie losfahre. „Wir müssen wieder gemeinsam nach Wegen suchen.“ Über eine Kandidatur habe sie erstmals im vergangenen Frühsommer nachgedacht, sich zuerst mit der Familie besprochen, sagt Busch, die seit vergangenem Jahr den CDU-Gemeindeverband führt, zuvor zwei Jahre dem Ortsverband vorstand und seit 2014 im Gemeinderat sitzt. Bei den Christdemokraten rannte sie offene Türen ein, die Partei nominierte sie einstimmig.

Anja Busch ist eine waschechte Offenbacherin. Sie wuchs mit ihren beiden Schwestern in der Niedergasse auf, ihre Eltern Fritz und Melitta führten einen Bauernhof. Hühner, Schweine, Kühe – schon immer spielten Tiere im Leben der Christdemokratin eine große Rolle. „Ich liebe Tiere, nur einen Hund durfte ich als Kind nicht haben“, erzählt sie und grinst. Inzwischen hat sie zwei Schweizer Sennenhunde, Mutter Emma und Tochter Hope. In ihrem Elternhaus sei es nur selten um Politik gegangen, obwohl sich ihr Vater beispielsweise im Bauern- und Winzerverein engagiert hat. Meistens sprach die Familie beim Abendbrot über den Betrieb. Sie habe früh gelernt, die Ärmel hochzukrempeln. „Wenn wir als Kinder im Sommer im Schwimmbad waren, ging es um 17 Uhr nach Hause, um im Stall mitzuhelfen. Mir hat das aber nichts ausgemacht“, betont Busch.

Seit 1995 ist sie mit ihrem Mann Wolfgang verheiratet, der im Hauptberuf die Kläranlage der Verbandsgemeinde leitet. Sie arbeitet als Hauswirtschaftsmeisterin bei der katholischen Kita in Offenbach. Die beiden haben vier Kinder: Lisa (21), Annika (19) sowie die beiden 17-jährigen Zwillinge Christoph und Marc. „Mein Mann und ich arbeiten täglich 13 bis 14 Stunden, manchmal mehr. Deshalb haben unsere Kinder, als sie noch alle im Haus waren, auch im Haushalt mitgeholfen. Der eine hat die Spülmaschine ausgeräumt, die andere hat das Mittagessen gekocht. Anders ging es nicht“, sagt Busch. Bei der Erziehung seien ihr und ihrem Mann wichtig, dass ihre Kinder freundlich sind, „dass fängt damit an, dass man sein Gegenüber grüßt“, sagt Busch. Außerdem legen sie Wert darauf, dass sie jeden so akzeptieren, wie er ist und andere Meinungen gelten lassen.

Was qualifiziert sie für das Amt der Bürgermeisterin? Als Mutter, Angestellte und Unternehmerin könne sie verschiedene Blickwinkel einnehmen und vor allem organisieren. Sie habe zwar keine Ausbildung in der Verwaltung absolviert, habe dafür aber einen ungetrübten Blick. Deshalb wolle sie auch Strukturen in der Verwaltung aufbrechen und verändern, „ich will, dass das Rathaus für die Bürger da ist“. Besonders liege ihr es am Herzen, verschiedene Gruppen an einen Tisch zu bringen, um Kompromisse zu finden. „Ich denke nicht parteipolitisch. Mit mir wird es keine einsamen Entscheidungen geben.“ Ein weiteres Thema seien die Senioren in der Verbandsgemeinde. Bei ihren Haustürbesuchen stelle sie immer wieder fest, dass es Einsamkeit gebe. „Bei manchen ist der Partner gestorben, bei anderen sind die Kinder weggezogen.“ Deshalb setze sie etwa auf Nachbarschaftsprojekte.

Im Leben von Anja Busch spielt auch der Sport eine große Rolle. Dreimal pro Woche geht sie mit ihrer Schwester joggen, sie treffen sich dann schon um 5.30 Uhr. „Zeitlich ist das nur so möglich“, sagt sie. Sie könne dann abschalten, sie genieße die frische Luft. Auch das Skifahren hat sie für sich entdeckt. Doch Urlaube sind wegen des Betriebs selten, „wir sind eigentlich nie länger als drei Tage weg“. Vergangenen Sommer war sie mit ihren Eltern im Kleinwalsertal, es war der erste gemeinsame Urlaub.

Was ist ihre beste Eigenschaft? Als Anja Busch ansetzen möchte, meldet sich ihre Tochter Annika zu Wort, die am Nebentisch die Tischkarten für die Party ihres Vaters bastelt, der am heutigen Samstag seinen 50. Geburtstag feiert. Ihre Mutter möchte alles, was sie tue, genau machen, es sei ihr dabei besonders wichtig, dass am Ende alle mit dem Ergebnis zufrieden sind. Was ist nicht so toll an ihr? Sie könne ziemlich ungeduldig werden, sagt Busch.

Und was passiert, wenn sie die Wahl verlieren sollte? „Dann würden wir unseren Betrieb erweitern“, sagt sie. Ihre Tiere hätten sicherlich nichts dagegen.

Info

Internet: www.anja-busch.de

Quelle: http://epaper.rheinpfalz.de/EPaper/PHP-Files/archivedpages.php?

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