Zünftig gekleidet treffen die Teilnehmer pünktlich um 14 Uhr inklusive Kind und Hund an der Vereinsgaststätte „Wasserhaus“ in Harthausen ein. Die meisten tragen festes Schuhwerk, einige sind mit Nordic-Walking-Stöcken und Rucksäcken unterwegs. Rhein-Pfalz-Kreis-Landrat Clemens Körner (CDU) hat sich angesichts sommerlicher Temperaturen für kurze Hosen entschieden. „Ich wandere gerne“, sagt der Initiator der Landrats-Wanderung.Eilig schließt er zu der Gruppe auf, die ein hohes Tempo vorlegt. Auch Lochbaum ist nach den ersten Kilometern erstaunt, wie oft er die Wanderer bremsen muss, wenn er einen der etwa 15 Grenzsteine erklären möchte, die am Wegesrand der Route stehen. „Alle haben bis heute Gültigkeit“, berichtet er den erstaunten Zuhörern und weist auf eingezeichnete Daten und Symbole hin. Ein Grenzstein steht schon seit 1726 im Harthausener Gemeindewald. Ihn und andere aus dem 18. Jahrhundert hätten wohl die Franzosen gesetzt, vermuten die Wanderer. Es geht in zweieinhalb Stunden vom Rhein-Pfalz-Kreis über die Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße wieder zurück zum Abschluss im „Wasserhaus“.

Vorbei an Baumstämmen, einer von zwei Pferden gezogenen Kutsche voller Junggesellen und sprießender Natur geht es für die Gruppe zum Grenzstein von 1791. „Noch zwei Kilometer bis Gommersheim“, frohlockt Dietmar Seefeldt (CDU), Landrat des Kreises Südliche Weinstraße. Am Modenbach ist ein Picknick eingeplant. Dass der Bach sich seit dem „Jahrhundertsommer“ im Jahr 2003 nur noch in den Wintermonaten mit Wasser füllt, schockiert Helga Hilsinger geradezu. Sie ist mit Freundin Peggy Rösch zum kollektiven Wandern aus Bad Bergzabern gekommen. „Unsere Lauter führt immer Wasser“, sagt sie. „Bei uns ist sowieso mehr Wasser als Wald“, steuert Walter Graf aus Neuhofen Unterschiede in den Landkreisen bei. Der ausgetrocknete Modenbach beschäftigt auch die drei Landräte. Sie beschließen, der Ursache gemeinsam auf den Grund zu gehen. Zuvor stärken sie und die Wandergesellen sich mit Erfrischungsgetränken und Brezeln, die Lochbaums Vereinskollegen zum Rastplatz gebracht haben.

Auf der zweiten Hälfte des Rundwegs wird es steinig. Schatten gibt es keinen, dafür Wind. Gerald Sattel aus Dannstadt-Schauernheim hofft, dass das Ziel bald erreicht ist. Er habe viel über Harthausen und die Umgebung erfahren, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Aber auch, dass das hier ein ziemlich verschlafenes Nest ist.“ Diesen Kommentar lassen Harthausener Wandersleute wortlos an sich abprallen. Sattel fragt sich gerade, was die Vorfahren wohl mit den Grenzsteinen abgesteckt haben, als Seefeldt fünf Störche in den Feldern sichtet. „Gut, dass die wieder da sind“, lobt er den Naturschutz. „Jetzt kenne ich die östliche Gemarkung unseres Kreises“, freut sich der Landrat von der Südlichen Weinstraße. Die Show des Modellflugvereins Gommersheim genießt er von weitem.

Wieder im „Wasserhaus“ von Harthausen angekommen, erholen sich die Wanderer bei Bratwurst und Getränken. „Das war ein strammer Marsch“, sagt Fritz Riedel aus Neuhofen. Er sei „ganz schön ins Schwitzen gekommen“. Körner verteilt Wein aus dem Landrats-Wingert an Kollegen und Helfer. „Der ist so rot, dass er schon schwarz ist“, weist er auf die Farbe hin, die den CDU-Landräten die liebste ist.

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